Besenstil

(Hokidachi) 箒立ち

ist gerade bei den europäischen Laubbäumen häufig anzutreffen und wird charakterisiert durch einen kurzen, geraden Stamm, von dem aus in ungefähr gleicher Höhe ab 1/3 der Baumgröße alle Äste abgehen und sich gleichmäßig zu einer runden, feinen Krone verzweigen. Besonders schön ist es, wenn es bei dieser Form keine sichtbaren Schnittstellen auf der forderen Ansichtsseite des Stammes gibt. Die Bezeichnung als Besen ensteht dadurch, dass es ab der Gabelung keinen hauptsächlichen Stammverlauf gibt. Der Stammfuß soll gleichmäßig und ausgeprägt sein.

Streng aufrecht

(Chokkan)直幹

nennt man einen Baum, der einen geraden, senkrechten Stamm hat, dessen Spitze sich genau über dem Wurzelansatz befindet.
Als Bonsai wird ein Chokkan oft selbst gezüchtet, da er dort von Anfang an auf diese Form gestaltet werden kann. In der Natur stehen solche Bäume meist alleine, wo sie gleichmäßig Licht und Nährstoffe finden und die Möglichkeit haben im unteren bereich Laub zu bilden. Auch Windstille ist von Vorteil.

Frei aufrecht

(Moyogi) 模様木

bedeutet, dass sich der Baum in harmonischen - von unten nach oben immer schwächer werdenden - Schwüngen zur Spitze hin bewegt. Die Spitze befindet sich im Lot über dem Stammfuß. So ist der Baum optisch stabil. Die Hauptäste befinden sich idealerweise jeweils an der Außenseite der Schwingungen. Der Stammverlauf sollte gut erkennbar und der Stammfuß ausgeprägt sein. 

 

Literat

(Bunjin) 文人木

Bonsai in Bunjin-Form zeichnen sich durch einen hohen, dünnen und meist dramatisch geschwungenen Stamm, wenig Äste und spärliche Belaubung in der Spitze aus.

Die Gestalt eines als Bunjin gestalteten Bonsai muss sich nicht zwangsläufig auf ein Vorbild in der Natur beziehen. Früher haben japanische Krieger Bonsai gestaltet, als Ausdruck ihres Kamps und Leides.

Unter Bonsaigestaltern gilt die Gestaltung eines Bunjin als besonders fordernd.

Dadurch, dass der Baum nur so wenige Elemente aufweist, müssen diese alle stimmig sein.

Fehler können nicht versteckt werden. Gleichzeitig muss es wie ein alter Baum mit Reife aussehen. 

Doppelstamm

(Sokan) 双幹

Der Doppelstamm ist eine Variante des Mehrfachstamms und heißt in Japan auch „Vater und Sohn“. Beim Waldspaziergang begegnet er uns oft. Bei Bonsai eher weniger.

Der erste Seitenast entspringt bei dieser Form sehr tief und bildet einen eigenen Baum, dessen Stamm deutlich niedriger und dünner ist als der des „Vaters“. Vater und Sohn müssen wirklich miteinander verwachsen sein. Zwei Bäume eng aneinander sind kein Doppelstamm.

Beide Bäume bilden optisch eine Einheit. Deshalb spielen die Astanordrung und die Formung der gemeinsamen Krone eine große Rolle. Am häufigsten ist Moyogi, die frei aufrechte Form, in der sich der Vater über den Sohn erstreckt.

Mehrfachstamm

(Kabudachi) 株立

Beim Mehrfachstamm verhält es sich ähnlich wie beim Doppelstamm. Eine meist ungerade Anzahl an Stämmen entspringt einer gemeinsamen Basis. Der stärkste und reifeste Stamm steht in der Mitte. Am Ende bilden alle Bäume eine gemeinsame Einheit.

Ein wichtiger Tipp für die Gestaltung ist es, darauf zu achten, dass die Stämme nicht alle auf einer Linie stehen. Die dadurch entstandene Dreidimensionalität lädt so zum Träumen ein.

Geneigt

(Shakan) 斜幹

Der Shakan ist geneigt. Der Baum steht nicht „schief“, sondern spürt den ständigen Wind, dem er in seinem Wuchs nachgibt. Vielleicht aber auch steht er am Waldesrand im Schatten und muss sich der Sonne entgegen strecken. Der Winkel beträgt dabei in etwa 70°. Um sich in seiner Position zu halten hat er gegenüber der Neigungsseite stärker ausgebildete Wurzeln. Auf dieser Seite entspringt auch der erste Seitenast um das Gleichgewicht des Baumes zu halten.

Windgepeitscht

(Fukinagashi) 吹流し,

Wie der Name schon sagt steht der Baum im starken Wind. In der freien Natur begegnen uns diese Bäume häufig an Küsten oder Windschneisen.

Die Neigungsrichtung des Stammes gibt dabei vor in welche Richtung sich die Äste in den Wind legen. Bei dieser Gestaltungsform ist es ausnahmsweise sogar möglich, dass die Äste den Stamm kreuzen.

Jin und Shari Bereiche unterstreichen zusätzlich die Dramatik der Standortbedingung des Baumes und betonen den Überlebenskampf.

 

Halbkaskade

(Han-Kengai)  半懸崖

Die Halbkaskade begegnet uns in der Natur an Felsnieschen oder Klippen. Dort müsssen sie sich strecken um an das Sonnenlicht zu gelangen. Die Krone, die sich über dem Schalenrand befindet, bildet der erste Ast. Insgesamt bewegt sich die Halbkaskade nie unterhalb des Schalenbodens. Das wäre dann eine Kaskade.

Kaskade

(Kengai) 懸崖

Die Kaskade ist häufig im Gebirge anzutreffen. Dort leidet der Baum unter wiedrigen Bedingungen, wie Schneemassen, Steinschlag oder einem schlechten Standort.

Nicht jede Art eigenet sich dazu nach unten zu wachsen. Ähnlich wie bei der Halbkaskade befindet sich die Krone überhalb des Schalenbodens, während der sich abwindende Teil bis unterhalb der länglichen Schale reicht.

Super S

(Bau-markt)

Häufig begegnet uns diese Gestaltung in den örtlichen Garten- oder Baumarktcentern oder beim Onlinehändler. Zusammengepfercht in schlechtem Substrat sehnen sie sich nach Licht und luftigem Substrat. 

Die Art, den Baum so übertrieben zu formen, soll nicht der Moyogi nachempfunden werden sondern dem chinesischen Stil Bankan. Das bedeutet soviel wie "zusammengerollter Stamm", der an einen Drachen (Glückssymbol) erinnern soll.

Da diese Pflanzen im großen Stil "produziert" werden können sich an ihnen eingewachsene Drähte, rostige Drahtnarben oder starke Schnittwunden befinden.

Falls also der Kauf einer solchen Pflanze in Erwägung gezogen wird, lohnt sich vorab ein geschulter Blick auf die angesprochenen Bereiche.

Generell findet ihr beim Fachhändler neben einer guten Beratung auch besseres Ausgangsmaterial.

Gepfropft

(ik-ea)

In der freien Natur begegnet uns diese Gestaltungsform in der Nähe von Regalen und Sofas. Dabei wurden junge Triebe auf eine abgetrennte Wurzelbasis gepfropft. Diese Gestaltungsform kommt besonders gut zur Geltung, wenn der Wurzelballen komplett durchwurzelt ist. Als Beistellpflanze empfehlen wir den gekringelten Bambus im Reagenzglas, der in der Natur oft in der Nähe solcher Formen anzutreffen ist.

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