Bevor es an das Umtopfen geht stellt sich die erste Frage: Ist es aktuell der richtige Zeitpunkt zum Umtopfen? Grundsätzlich eignet sich das Frühjar - Angang März bis April - am besten für das Umtopfen. Sobald die ersten Knospen schwillen kann ans Werk gegangen werden.

Wichtig: Bei Outdoorpflanzen muss anschließend aufgepasst werden, dass die neu getopften Pflanzen keinen Spätfrösten mehr ausgesetzt werden!

Außerdem verzichtet man in den ersten drei Wochen nach dem Topfen auf Düngergaben.

 

In der folgenden Schritt für Schritt Anleitung zeigen wir Euch, wie ihr mit wenig Aufwand einen Liguster aus dem Baumarkt in neues Substrat topft. 

 

1. Bestandsaufnahme

 

Wie bereits in der "weltkürzesten Bonsaichecklist nach dem Kauf" erwähnt ,kontrollieren wir zu erst die Abzugslöcher und die Kompaktheit des Wurzelballens.

Was hier direkt auffällt: Die Erdoberfläche besteht zum größten Teil aus eigenen abgestorbenen Wurzeln des Ligusters.

Ein Blick in die Selbstversorgerunterschale, die dazu dienen soll, dass sich der Baum selber mit Wasser versorgt, verrät uns, dass der Wurzelbereich bereits durch die Drainagelöcher in die Unterschale expandiert hat. Das führt jetzt schon dazu, dass das Wasser nicht mehr richtig abfließen kann. Zukünftig würde unweigerlich Staunässe und eine Wurzelfäule entstehen. Daher heißt es jetzt: Umtopfen!

 

2. Baum aus der Schale lösen

 

Um den Baum aus der Schale zu holen kontrollieren wir erst die Unterseite der Schale. Alle auswärtigen Wurzeln werden abgeschnitten und eventuelle Drahtbefestigungen gelockert.

Anschließend heben wir den Baum aus der Schale.

Wenn ihr das Bild durch Anklicken vergrößert, seht ihr auch farblich einen Unterschied zwischen den Wurzeln oben und den Wurzeln am Rand.

3. Wurzelballen auskämmen und schneiden.

 

Nun müssen wir die gesamte Erde auskämmen (oder am Waschbecken ausspülen) , bis wir alle Wurzeln freigelegt haben. Dabei fällt hier auf, dass sich im Stammbreich noch ganz alte Lehmerde befindet.

Auch die muss ganz entfernt werden, sodass wir am Ende bei einem Gießvorgang alle Wurzelteile erreichen.

Machen wir das nicht, kann das dazu führen, dass Teile des Wurzelbereichs nicht ausreichend bewässert werden, da das Wasser durch das lockere Substrat schneller abfließt.

Wenn wir den Wurzelballen ausgespühlt haben fällt auf, dass die Wurzeln am ganzen unterirdischen Stammbereich verteilt sind. Um einen flachen Wurzelteller zu bekommen schneiden wir alle Wurzeln ab, die senkrecht nach unten wachsen und die, die oberhalb unseres späteren Nebaris sitzen.

Der Baum wird durch diese Maßnahme am Ende 1,5 cm Höhe gewinnen.

 

Der Weg wird in der Bildergallerie - mit Beschreibung - genau aufgezeigt.

4. Schale säubern und vorbereiten

 

Die alte Bonsaischale wird von außen gesäubert. Außerdem werden die Drainagelöcher durch Gitter gesichert, sodass später kein Substrat ausgespült werden kann.

5. Gitter befestigen

 

Die Gitter werden mit Draht an den Löchern fixiert, sodass sie später nicht verschoben werden können. Außerdem wird ein längerer Draht jeweils mit einem Ende durch die Löcher geschoben, um den Baum später in der Schale fixieren zu können.

6. Substrathügel einfüllen

 

An der Stelle, an der der Baum später stehen soll, füllen wir bereits einen kleinen Hügel Substrat ein.

Das gewährleistet, dass der Baum später auch von unten ausreichend Substrat hat.

Links und rechts seht ihr die Befästigungsdrähte.

7. Baum positionieren und fixieren

 

Als nächstes wird der Baum positioniert und mit dem Draht festgezurrt. Es empfiehlt sich den Baum immer etwas versetzt zu topfen, um eine bessere Wirkung zu erzielen.

8. Substrat auffüllen und "reinstochern"

 

Anschließend füllen wir die Schale mit dem Substrat auf. Damit das Substrat auch zwischen die Wurzeln gelangt, gehen wir einmal mit den Stäbchen um den Baum und stochern das Substrat zwischen die Wurzelhohlräume. Übertreibt diesen Vorgang nicht, da ihr beim mehrmaligen Umstochern auch Wurzeln beschädigen könnt.

 

Das Nebari befindet sich unter der Erde, da es sich noch entwickeln muss.

(9.) Deckschicht auftragen

 

Kein Muss beim Umtopfen ist das Auflegen einer Deckschicht mit feinem Akadama. Dies dient hauptsächlich der Optik. Da trockenes Akadama viel heller ist als feuchtes ist es neben optischen Aspekten auch als "Bewässerungsanzeiger" nützlich.

10. Laub schneiden

 

Da wir einiges an den Wurzeln geschnitten haben lohnt es sich im Nachgang auch den Baum ein wenig auszulichten. Dafür haben wir kreuzende Äste entfernt und in der Mitte etwas Laub ausgelichtet, sodass auch Licht ins Innere des Baumes gelangt.

11. Fertig

 

Der Liguster ist jetzt fertig und steht leicht versetzt in der alten Schale. Die beiden unteren Zweige führen hoffentlich noch zu einer unteren Stammverdickung, sodass wir in Zukunft so etwas wie eine Stammverjüngung erreichen.

12. Fertig

 

Kleine Moospolster verfeinern die Optik der neuen Substratoberfläche.

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