Der Begriff Indoorbonsai wird mit "Zimmerbonsai" falsch ins Deutsche übersetzt. Der größte Teil der Bäume, die wir in Baumärkten, Discountern oder Möbelhäusern kaufen können, werden als solche Zimmerbonsai deklariert. Das geschieht nicht, weil sie so besonders beliebt sind, sondern weil man als Händler besonders viel Gewinn damit erziehlen kann.

Wenn keine besonderen pflegerischen Maßnahmen ergriffen werden gehen diese Bäume nach kurzer Zeit ein.

 

Was braucht denn so ein Baum? Er braucht in erster Linie Licht. Daher ist es besonders wichtig, dass die Bäume so hell wie möglich gestellt werden. Wie groß der Lichtunterschied zwischen Innenraum und Freiem ist, könnt ihr zum Beispiel mal mit einer Spiegelreflexkamera (Belichtungszeiten) testen. Ihr werdet feststellen, dass bereits hinter einem Südfenster die Lichtintensität deutlich abnimmt.

 

Wenn im Herbst die Tage kürzer werden, wundern sich dann viele Menschen, dass ihre Bäume Blätter abwerfen.

Der Effekt lässt sich ganz einfach durch den Lichtmangel erklären. Höhere Raumtemperaturen führt bei einem Baum mit vielen Blättern zu einem hohen Stoffwechsel. Da der Baum aufgrund der wenigen Tageslichtstunden nicht ausreichen Fotosynthese betreiben kann stößt er dann einen Teil seiner Blätter ab.

Dazu kommt die Luftfeuchtigkeit, die in Wohnräumen meist viel zu gering ist. Verstärkt wird der Effekt bei einem Standort auf der Heizung.

Bei geringer Luftfeuchtigkeit können die Bäume nicht ausreichend atmen und verlieren außerdem an Vitalität.

 

Es gibt nur wenig Pflanzen, die ganzjährig in der Wohnung überleben können.

Im Folgenden stellen wir Euch zwei Gehölze und zwei Sukkulenten vor, die sich besonders zum Einstieg eignen.

 

Ficus (microcarpa, benjamini)

Es gibt natürlich Gründe, warum der Ficus Deutschlands beliebteste Büropflanze ist. Eigentlich ist der Ficus ziemlich pflegeleicht. Er ist für viele Einsteiger der erste Bonsai, daher finden wir auch besonders viele Treffer in Suchmaschinen zu Pflegeproblemen.

Das hat nichts zu bedeuten, denn ist die Pflege ganz einfach:

Der Ficus braucht möglichst viel Licht und muss regelmäßig (~alle zwei Tage) bewässert werden.

Im Winter oder bei einem Standortwechsel (von Balkon in Wohnung) kann es zu Blattverlusten kommen, die nicht weiter schlimm sind. Der Ficus reagiert nur auf die veränderten Lichtverhältnisse und treibt bei mehr Lichtstunden auch wieder neu aus.

Eine Pflanzenlampe kann ihm dabei helfen den Winter vitaler zu überstehen, ist jedoch kein Muss. Luftwurzeln entstehen/wachsen beim Ficus nur, wenn er ausreichend Luftfeuchtigkeit hat.

Im Sommer freut er sich besonders über einen Platz auf unserem Balkon.

Chinesischer Liguster (Ligustrum chinensis)

Den chinesischen Liguster ist als Zimmerbonsai sehr bekannt. Daher kann man ihn auch oft online in der "S-Form" erwerben. Wenn der Liguster Wasser braucht signalisiert er das durch das Hängenlassen der Triebspitzen. Steht er im Sommer im Freien lohnt sich ein leicht schattierter Standort, da die Blätter sonst leicht einen Sonnenbrand bekommen. Der ist nicht weiter schlimm, denn die Neuaustriebe sind direkt an die Sonne gewöhnt und reagieren nun nicht mehr so empfindlich.

Bei starker Sonneneinstrahlung kann es sogar sein, dass der Liguster mehrmals am Tag gegossen werden muss. Bekommt er zu wenig Licht reagiert er mit Blattabwurf und langen Internodien (blattlose Abschnitte).

 

Hier haben wir den abgebildeten Liguster Umgetopft.

 

Jadebaum (Portulacaria afra)

Sukkulenten (von lateinisch sucus für "Saft" bzw suculentus für "saftreich") sind saftreiche Pflanzen, die an besondere Klima- und Bodenverhältnisse angepasst sind.

Der Jadebaum kommt aus Südafrika und ist an längere Trockenperioden gewohnt. Er übersteht also auch mühelos Trockenperioden im Wohnzimmer.

Insgesamt ist er sehr pflegeleicht, kann das ganze Jahr über an einem hellen Standort gehalten werden und eignet sich besonders als Einsteigerpflanze. Haben Freunde oder Bekannte bereits einen Jadebaum? Dann ist er auch einfach als Steckling zu vermehren.

Steht der Baum das ganze Jahr im Innenraum am Fenster, lohnt es sich durch ein gelegentliches Drehen die Wüchsigkeit auszugleichen.

Im Sommer freut sich auch der Jadebaum über einen Platz unter freiem Himmel.

Geldbaum (Crassula ovata)

Der Geldbaum, gerne auch Pfennigbaum genannt, unterscheidet sich in der Pflege nicht groß vom Jadebaum. "Groß" ist auch schon das richtige Stichwort, denn lediglich seine Blätter sind deutlich größer.

Ein Effekt, der durch übermäßiges Gießen zusätzlich verstärkt wird.

Ähnlich wie der Jadebaum kommt der Geldbaum als Sukkulente super ohne viel Wasser aus.

Die Stecklingsvermehrung funktioniert auch mit diesem Exemplar gut.

Eine tolle Einstiegspflanze, die sich im Sommer über Sonnenstunden freut und mit roten Blatträndern belohnt.

Bei einem Standort am Fester empfiehlt es sich die Pflanze alle paar Wochen zu drehen, um eine ausgeglichene Wuchsrichtung zu erzielen.

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