Wenn es um die Auswahl von Bonsai Rohmaterial oder Bäumen geht, dann können uns ein paar Tipps dabei helfen die richtige Pflanze zu finden.

Amateure lassen sich gerade im Herbst oft von den prächtigen Farbkleidern der Ahorne blenden. Dabei ist die Feinverzweigung ein gestalterisches Element, das erst zum Schluss interessant wird. Also aufgepasst vor vorschnellen Kaufentscheidungen. Wie so oft in diesem Hobby, geht es darum Geduld zu zeigen und sich Zeit zu nehmen um ein paar wichtige Teile des Bonsais zu checken.

Doch welches sind jetzt genau die wichtigsten Kriterien, nach denen wir einen Bonsai am besten auswählen?

 

Der japanische Begriff "Nebari" bedeutet soviel wie "sichtbarer Wurzelansatz". Das Nebari verleiht dem Baum ein optisches Gleichgewicht und betont bestimmte Gestaltungsarten des Bonsai.

Dadurch ist das Nebari ein sehr wichtiger Teil eines Bonsai. Oft liegt das Nebari unter dem Substrat oder der Erde versteckt und ist nicht sichtbar. Es lohnt sich also ein Blick unter die Oberfläche. Dafür könnt ihr wahlweise auch mit den Fingern vorfühlen oder ein Bambusstäbchen zur Hand nehmen. Um die Pflanzen später in eine flache Schale zu bekommen ist ein breiter Wurzelansatz unabdingbar. 

Hat der Baum nachher keinen sichtbaren Wurzelansatz entsteht der Eindruck eines Asts, den man in die Erde gesteckt hat.

Auch Stelzwurzeln, lange unterirdische Pfahlwurzeln oder einseitige Wurzelentwicklungen erfordern einen hohen Gestaltungs- und Pflege-Aufwand und eine Menge Zeit. Hier könnt ihr frühzeitig bei der Auswahl die Weichen stellen.

 

Der nächste wichtige Teil, den es bei der Materialauswahl zu beachten gilt, ist die Stammverjüngung.

Darunter versteht man, dass der Stammdurchmesser zur Spitze hin abnimmt. Ganz so, wie wir es bei Bäumen in der Natur beobachten können.

Eine gute Stammverjüngung kann ich nur in selteneren Fällen finden. Tatsächlich lohnt es sich eher danach zu schauen, wo ich passend schneiden kann um perspektivisch eine gute Stammverjüngung zu erzielen.

In unserem Beispiel erfolgt der Schnitt an der gelben Linie. Und zwar so, dass sich die Schnittwunde am besten auf der Rückseite der späteren Ansichtsseite befindet. Anschließend wird ein Seitenast als neue Krone aufgebaut um so eine Verjüngung zu erzielen.

Ein durchgehend gerader Stamm, der im Durchmesser zur Spitze nicht abnimmt, lässt keine Natürlichkeit entstehen.Gerne wird solch ein Material auch "Stock" oder "Schornstein" genannt.

Ein inverser Stammverlauf, der nach oben an Dicke zunimmt, sieht ebenfalls nicht schön aus und lässt sich schwer erfolgreich gestalten.

Ein weiterer wichtiger Teil ist die Anordnung der Äste, die man jedoch - je nach Art - in ein paar Jahren einfach korrigieren kann.

Die Äste sollten im Optimalfall an den richtigen Stellen (Außenseite der Stammbiegung) sitzen. Außerdem sollten sie unten dicker als oben sein und eine Verjüngung nach außen vorzeigen.

Es ist ratsam sich im Vorfeld Gedanken über die Art des Baumes zu machen. Treibt der Baum aus altem Holz? Wie steht es generell um die Rückknospung der jeweiligen Art? Dabei gibt es deutliche Unterschiede.

Ist der Baum vital oder zeigt er schon Schwächen? Wenn ein Baum geschwächt in den Winter geht, besteht das Risiko, dass er diesen nicht überleben wird. Vergewissert Euch also vorher, ob er vital ist und keine Schädlinge aufs heimische Regal mitbringt. Geht bei der Auswahl Eurer Pflanzen behutsam vor. Wenn ihr nichts passendes findet, geht keine Kompromisse ein. Der Platz auf Euren Balkonen ist begrenzt und sollte wirklich gutem Material vorbehalten sein.

Je nach Vorliebe natürlich sind perspektivische Langzeitobjekte besser im Garten zu beherbergen.

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